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From: kris@koehntopp.de (Kristian Köhntopp)
Date: Fri Jun 28 02:06:22 DST 1996
Subject: Artikel in der taz
Newsgroups: de.alt.pictures.sex.children,de.soc.zensur

Verbreitung ohne Genehmigung des Verlages. Fuer die Umlaute
bitte ich untertaenigst um Vergebung - es ist 2am.

SURFBRETT

Ist ja nur ein biûchen Zensur...

Damit den Zensoren der unendlichen Diskussionen im Internet, dem
Usenet, der Stoff niemals ausgehe, hat sich Christian Koehntopp
einen Spaû erlaubt. Er rief eine Diskussionsgruppe ins Leben,
die sich mit Mðglichkeiten und Planungen der staatlichen oder
kommerziellen Beschneidung der Internet-Diskussion beschÙftigt -
vor allem mit deren Abwehr. Der Titel:
de.alt.pictures.sex.children. Die Zensur von Diskussionsforen
hatte sich bisher immer nur an den Namen der Gruppen orientiert.
Die "Koehntoppsche Idiotenfalle" zeigte die Sinnlosigkeit einer
solchen Methode. So gaben sich, neben denen, die den Spaû
verstanden hatten, viele Diskussionsteilnehmer zunÙchst einmal
skeptisch: Bilder? Sex? Mit Kindern? Pfui! Dabei konnten die
Empðrten schnell beruhigt werden: "Inhalt und Titel der Gruppe
sollen vollkommen disjunkt sein", schrieb Koehntopp in die
Charta der Gruppe. Vielmehr sollten so diejenigen Politiker
lÙcherlich gemacht werden, die eine inhaltliche Kontrolle des
Usenets fordern, und das mit der zunehmenden Bedrohung unserer
Gesellschaft durch Kinderpornographie. Die reine Provokation -
"mein ehemaliger Kunstlehrer wörde sich freuen", schreibt
Koehntopp.

Wegen des irreföhrenden Namens de. alt.pictures.sex.children
wurde die Newsgroup allerdings nie sehr bekannt. Die breite
Diskussion fand in der Gruppe de.soc.netzwesen statt, einem
weiter gefaûten Diskussionsforum. In jöngster Zeit konnten die
versplitterten Diskussionsgruppen zusammengefaût werden.

Die Gröndung der Gruppe "de.soc .zensur" schaffte endlich einen
eigenen, leicht aufzufindenden Platz för das GesprÙch öber die
Zensur. Ein groûer Vorteil des neuen Forums: Neben den Gegnern
jeglicher Eingriffe ins Netz finden sich hier auch die
Beförworter. Der QualitÙtsstandard der Diskussion, im Internet
nicht immer hoch, ist bemerkenswert. Rechtsanwalt Michael
Schneider erklÙrt, was die "Internt Content Task Force" will,
und hat sogar eine Art FAQ ("Frequently Asked Questions") öber
sein Lieblingskind in die Gruppe gestellt. Dagegen argumentieren
der SPD-Abgeordnete Jðrg Tauss oder deutsche Netzpioniere wie
Thilo Pfennig und Lutz Donnerhacke ("mir ist schlecht"). Aber
die Content Task Force ist nicht einziges Thema: Was plant die
Bundesregierung in Sachen Internet? Wo bekomme ich den
kompletten Wortlaut der CDA-Entscheidung des Bundesgerichts in
Philadelphia? Unter anderem bei Task-Force-Anwalt Schneider
unter http://www.anwalt.de

kuzmany@ifkw.uni-muenchen.de

TAZ Nr. 4959 vom 27.06.1996 Seite 13 Internet 65 Zeilen
TAZ-Bericht
_
  Contrapress media GmbH
VervielfÙltigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

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Liebe taz!

Danke för Euren Artikel öber die Kðhntoppsche Idiotenfalle (eine
Bezeichnung, die Lutz Donnerhacke geprÙgt hat). Erlaubt mir als
Urheber dieses Konstruktes einige Anmerkungen:

de.alt.pictures.sex.children ist inzwischen ein Gedenkstein an
vergangene Zeiten. Mit der Gröndung der "Internet Censorship
Task Force" (ICTF) wird endlich wahr, was mit der Schaffung von
de.alt.pictures.sex.children gefordert werden sollte: Statt
einer pauschalen, sich an šberschriften festhaltenden Zensur
bekommen wir endlich eine individuelle, an einzelnen Autoren und
Artikeln festzumachende Inhaltsöberwachung und
Autorenverfolgung. Damit ist erstmals die Mðglichkeit gegeben,
bðse KinderschÙnder und Volksverhetzer im Netz sicher zu
erkennen, zu erfassen und nach Aburteilung endzulagern.

Noch besser: Die ICTF ist eine private Organisation, die von
einer Reihe aufrechter deutscher Internetbetreiber in
vorauseilendem Gehorsam gegröndet worden ist, um einer
gesetzlichen Regelung und der Gröndung einer šberwachungsbehðrde
zuvorzukommen. Diese Art der Organisation spart unserem
geplagten Staat auch noch die Steuergelder, die er sonst zur
Kontrolle des USENET aufwenden möûte! Damit zieht jetzt auch in
das Netz endlich Zivilisation ein und die Gefahr, daû
anarchistische Tendenzen aus dem Netz in unsere empfindliche
Demokratie öberschwappen ist ein för alle mal gebannt. Wir
kðnnen aufatmen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen "offizielle" Einsteigertexte
den AnfÙnger aufklÙrten

"This is the traditional USENET approach: Censorship at the readers end."
       -- Chuck Fry

oder in denen DER Text öber das USENET ("What is Usenet?" von
net.gods Chip Salzenberg und Gene Spafford) in seiner Schluûnote
den guten Rat

WORDS TO LIVE BY #2:  USENET AS ANARCHY  
  Anarchy means having to put up with things that really piss you off.
                                     -- Unknown

geben konnte. Endlich brauchen wir uns nicht mehr selbst um die
Bewertung von Inhalten zu kömmern. Endlich brauchen wir nicht
mehr selbst die Inititive gegen Netzbeschutzer zu ergreifen.
Endlich kðnnen wir ungestðrt konsumieren, denn man paût auf uns
auf.

Gut zu wissen, meint
	Kristian